Lehren & Lernen 2/2016 Muslimische Jugendliche zwischen zwei Welten
6,50 €
Produktinformationen "Lehren & Lernen 2/2016 Muslimische Jugendliche zwischen zwei Welten"
Inhalt
- Herausforderung für die Identitätsentwicklung von jungen Muslimen in Deutschland
- In Deutschland angekommen: Integration, Assimilation und ethnische Vielfalt
- Einwanderung und Integration in Europa und Deutschland: „Kultur des Konsenses“ oder „Kultur der Differenz“?
- Der Beitrag des islamischen Religionsunterrichts zur Identitätsfindung muslimischer Jugendlicher in Deutschland
- Vom Klassenzimmer in den Heiligen Krieg
- Integration gelungen? Ein türkischer „Sonderweg“?
- Muslimisches Forum Deutschland
Panorama
- Über die Schwierigkeit, auf Terror vernuftgeleitet zu reagieren
| Produkttyp: | Zeitschrift |
|---|
Seitenzahl: 40 Seiten
Erscheinungstermin: 19.02.2016
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Integration bedeutet zweierlei: die individuelle Teilhabe an gesellschaftlichen Zusammenhängen und den Zusammenhalt einer Gesellschaft insgesamt. Ethnische Vielfalt beschreibt die Verschiedenheit von ethnischen Gruppierungen nach Kultur, sozialen Beziehungen und emotionalen Bindungen bei Angleichung in den Lebenschancen, speziell auf dem Arbeitsmarkt und im Zugang zu den zentralen Institutionen. Die empirische Voraussetzung dafür sind gewisse Anpassungen auch an die „Leitkultur“ der Aufnahmegesellschaft, insbesondere in Sprache und Bildung. Sie bilden den Kern auch für die gesellschaftliche Integration, dies aber nicht über eine Orientierung an festen Werten oder emotionalen Identifikationen, sondern als Anhaltspunkt für eine erfolgreiche Lebensgestaltung in der ethnischen Vielfalt. Die meisten Migranten wissen das alsbald.
Einerseits ist die Geschichte der Einwanderung nach Europa eine Erfolgsgeschichte. Millionen von Bürger/ -innen nichteuropäischer Herkunft leben in Europa. Die meisten dieser Einwanderer haben keine Probleme mit ihrer neuen europäischen Lebenswelt, können hier ihre Zukunft aufbauen und dabei ihre Identität wahren; sie haben das aufnehmende Land bereichert und weitergebracht. Niemand verlangt von einem Einwanderer, dass er seine Tradition verleugnet oder aufgeben muss. Seine Traditionen sind nämlich mit europäischen Werten vereinbar, und die meisten Einwanderer haben keine Probleme, für sich und ihre Gruppe einen Platz, eine Nische zu finden. Andererseits ist die Integration gescheitert. Probleme haben diejenigen, die die europäische Kultur nicht als Konsens, sondern als Differenz leben wollen. Bestimmte Ethnien, Gruppen und ihre Verbände verfolgen eine Politik des sich Ab- oder gar des Ausgrenzens. Sie haben ein differentes Menschen- und Weltbild, haben andere Wertvorstellungen und demzufolge ein anderes Rechtsverständnis als das in (West-)Europa vorherrschende. Die aktuelle Integrationsdebatte sollte eine Klärung zwischen den konträren Zielen einer „Kultur des Konsenses“ und einer „Kultur der Differenz“ herbeizuführen suchen.
Etwa 900.000 muslimische Schüler/-innen besuchen derzeit in Deutschland die öffentliche Schule, den Anstieg, den diese Zahl durch die aktuellen Flüchtlingsströme nehmen wird, nicht eingerechnet. Diese Kinder und Jugendlichen haben einen Anspruch auf schulische religiöse Bildung nach Grundgesetzartikel 7 Abs. 3, der „nicht auf die christlichen Religionen zu beschränken [ist], wie dies im ‚christlichen Staat‘ vor 1919 der Fall war“ (Heckel 2001, 80). Es ist wichtig, diese juristische Grundlage in unserer Verfassung neben allen positiven Aspekten, die dieser Unterricht haben mag, zu betonen und nicht den islamischen Religionsunterricht als reines gesellschaftspolitisches „Integrations-Tool“ zu begreifen. Aber inwiefern könnte und müsste er dies nicht auch sein, gerade weil er im Rahmen des Grundgesetzes eingerichtet ist?
Im Folgenden werden die Herausforderungen skizziert, denen sich junge Muslime gegenübersehen, wenn sie von der Kindheit bis ins frühe Erwachsenenalter „zweiheimatliche“ Sozialisationsprozesse durchlaufen: zum einen in ihrer muslimisch geprägten familialen Lebenswelt, zum andern in unserem nicht-muslimischen westlich-weltlichen Alltagsleben. Daraus resultieren prekäre und ambivalente Selbstfindungs- und Stabilisierungsprozesse und die besonderen Aufgaben für Schule und Berufsausbildung bei der Identitätsfindung im Kindes- und Jugendalter.
Auszüge aus der Konstanzer Zuwandererstudie 2014Im Auftrag des Ministeriums für Integration Baden-Württemberg hat eineArbeitsgruppe an der Universität Konstanz im Sommer/Herbst 2013 eine telefonische Mehrebenenbefragung zu zahlreichen Themen der Integration bei insgesamt ca. 2.600 Angehörigen der 5 großen Zuwanderergruppen aus der Türkei, aus Italien, dem ehem. Jugoslawien, Polen und aus der ehem. Sowjetunion durchgeführt. Außerdem wurden 500 Deutsche ohne ausländische Wurzeln befragt. Bei den Einwanderern wurden Angehörige von 3 Generationen befragt – eigene Migrationserfahrung, Migrationserfahrung mindestens eines Elternteils, in der 3. Gruppe mindestens ein Großelternteil. Der Volltext der Studie 1 kann unter den Veröffentlichungen des Ministeriums auf dessen Homepage abgerufen werden. „Lehren & Lernen“ bringt im Folgenden einige Passagen im Wortlaut, die Einwanderergruppe aus der Türkei betreffend. Die Zahl der zugewanderten Muslime aus dem ehem. Jugoslawien ist eine kleine Minderheit im Vergleich zu den türkischstämmigen Muslimen. (Red.)Gründungserklärung des „Muslimischen Forums Deutschland“Wir sind Menschen, die sich als Bürgerinnen und Bürger Deutschlands und zugleich als Muslime sehen. Wir engagieren uns für das friedliche Zusammenleben in einer immer pluraler werdenden Gesellschaft und sind der Auffassung, dass dies durch die Achtung der Menschenrechte, der Freiheit und der Demokratie gewährleistet werden kann. Wir sind offen für die Unterstützung aller, die unsere Werte teilen. Dabei gilt der Gleichheitsgrundsatz ungeachtet der Religionszugehörigkeit, des Migrationshintergrunds, der nationalen und ethnischen Zugehörigkeit, des Geschlechts und der sexuellen Orientierung...